Das Gleichgewicht der Kräfte – Konservatismus ist der neue Punk

Die Ereignisse rund um den G-20 Gipfel haben in Deutschland nun vollends eine Diskussion angestoßen, in der es um die Frage geht, ob die Parteien links der Mitte Schuld daran haben, dass es überhaupt so weit kommen konnte. Das Hofieren linksextremer Strömungen, das Zulassen von Rechtsbrüchen und das Beschwichtigen, dass es überhaupt Probleme mit linksextremen Gruppierungen gibt, sind nun plötzlich in den gesellschaftlichen Fokus gelangt.

Kommentare, Bewertungen und Analysen der jüngst stattgefundenen Ereignisse in Hamburg schießen wie Pilze aus dem Boden. Ein Gros davon geht äußert kritisch mit der linksautonomen Szene samt ihren Unterstützern ins Gericht. Die Linke, die SPD und allen voran Einzelpersonen wie Manuela Schwesig oder Heiko Maaß unterliegen einem medialen Dauerfeuer. Letzterer hat sogar, für Beobachter und Kenner seiner Person äußerst überraschend, zum „Rock gegen Links“ aufgerufen bzw. seine Unterstützung diesbezüglich kundgetan. Die Antwort darauf, wie dieser Vorstoß genau aussehen sollte, bleibt er bisweilen schuldig, oder gedenkt er Freiwild und die Böhsen Onkelz einzuladen? Dass dies nur eine Nebelkerze gewesen sein könnte, um seine Haut aus der Schusslinie zu bringen und sich höchstens Querschlägern auszusetzen, nährt die Tatsache, dass er selbst linksextreme Bands zu ihrem gesellschaftlichen Beitrag beglückwünschte, oder Blogs unterstützt, deren Mitarbeiter zu Hetzjagden auf Zunftkollegen aufgerufen haben. Es wird nun darüber nachgedacht die Extremismusklausel wiedereinzuführen, die Manuela Schwesig zum Vorteil linksextreme Gruppenstreichen ließ, damit diese einfacher an staatlichen Mittel im „Kampf gegen Rechts“ bzw. zur Demokratieförderung gelangen konnten. Die Rote Flora zu schließen ist eine weitere im Moment diskutierte Maßnahme. Linksextremisten werden auf eine Stufe mit Neonazis und Islamisten gestellt. Die jetzige Entwicklung dürfte für die meisten Beobachter vor kurzem noch ein Ding der Unmöglichkeit gewesen sein.

Die Frage ist nicht wann – sondern wie

Jene Entwicklung musste vonstattengehen, daran besteht kein Zweifel. Jeder, der die politische Umwelt ohne ideologisch eingefärbte Brille betrachtet, würde zu diesem Schluss kommen. Die Positionen der politischen Linken sind im öffentlichen Diskurs seit Jahren dominant. Themen verschiedenster Bereiche wie die Ehe für Alle, die Flüchtlingsfrage, die Euro-Rettung, Öko-Strom etc., nur um einige zu nennen, zeichnen sich durch eine quasi fehlende Opposition aus. Doch so wie es immer ist, erzeugt nicht nur Gewalt Gegengewalt, sondern auch jeder Pendelausschlag eine Gegenbewegung in die entgegengesetzte Richtung. Eine freie Gesellschaft wird immer den Weg zur Gesundung finden, die bestimmte Fehlentwicklungen, die sich über die Jahre akkumulieren, korrigiert. Ja, auch die 68er waren ein solches Korrektiv. Aber auch die AfD war in ihrer ursprünglichen Form ein Ausdruck dieser Korrektur, wenn auch anfangs auf den wirtschaftspolitischen Bereich beschränkt. Und für sich genommen war sie nichts weiter als eine Gegenposition zur Regierungslinie, die für sich genommen alleine stand. Mittlerweile, nach Erstarken rechter Gruppierungen, der Wahl Trumps, des beschlossenen Brexits und der neuen gesellschaftlichen Debatte und sich am Anfang befindlichen Neubewertung linker Gruppierungen, wird deutlich, dass der auf Jahrzehnte linksliberal gefärbte Zeitgeist einer Korrektur, gar wegweisendem Wechsel unterliegt.

Die Gefahr der „Überkorrektur“

Die Zeit wird zeigen, ob die Entwicklungen zu einer Kurskorrektur, oder zu einem Ausschlag auf der rechten Seite des gesellschaftlichen Kompasses führen. Letzteres müsste und würde wieder aufgefangen werden – so ginge das Spiel bis in alle Ewigkeit weiter. Je stärker ein System aus dem Gleichgewicht gebracht wird, umso stärker fällt die Gegenreaktion aus. Jene kann jedoch auch über das Ziel hinausschießen und so zu einer erneuten Schieflage mitdem jeweils gegenteiligen Vorzeichen führen.


 

Wenn das Mobbingopfer Kante zeigt

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen echauffiert sich – wieder einmal – über den US-Präsidenten Donald J. Trump. Er sei ein „verhaltensgestörter Onkel“, bei dem sich jeder fragen würde, ob er das „Familienfest G-20“ sprengt, oder doch noch kurz vor knapp die Reißleine ziehen kann und sich zusammenreißt.

Die Medien unterliegen einem Reflex, der an einen Bully erinnert, der nach unzähligen Streichen und Hänseleien von seinem Lieblingsopfer dann doch eins auf die Mütze bekommt. Dass deutsche Medien bei der jüngsten Zuwehrsetzung Trumps nicht betroffen sind spielt keine Rolle. Man zeigt sich mit den Mobbing-Kollegen in Übersee, in deutsch-europäischer Manier, solidarisch. Dieser Reflex lässt diejenigen, die nicht in jedem zweiten Satz, geradezu wie von Touret befallen, einen Seitenhieb gegen Trump, Putin & Co einbauen, kopfschüttelnd zurück. Die Medien, die es nicht auslassen Trumps Frisur, seine Essgewohnheiten oder seine angeblich kleinen Hände, als ein Merkmal schlechter Menschen darzustellen, fallen sofort in die Opferrolle, wenn ein Politiker es neuerdings wagt, anders als hierzulande, mit gleichen Mitteln zurückzuschießen. Das sind jene Akteure der sogenannten vierten Gewalt nicht mehr gewohnt. Widerspruch der politischen Kaste? Wo käme man da auch hin!

Trump, sogleich er auch 70 ist und die viral gegangene Twittermeldung höchstwahrscheinlich nicht selbst kreierte, beweist mit der Publizierung unter seinem Namen ein Feeling für den Zeitgeist, der Memes und montierte Clips in den Kreis der Kulturgüter aufsteigen ließ. Er versteht diese Auswüchse der modernen, digitalen Welt nicht nur, er weiß diese auch für sich selbst und den Wahlkampf nach dem Wahlkampf zu nutzen. Hier sind die Medien es, die mit dem Temperament eines pflanzenfressenden Megasauriers, empört auf den Boden stampfen und mit Krokodilstränen auf die ihnen widerfahrende Ungerechtigkeit hinweisen. Ja, Trump mag alles andere als konventionell sein, doch genau diese Eigenschaft hat ihm erst den Sieg beschert. Und getreu dem Motto „Never change a winning System“ verfährt er nun auch in seiner Präsidentschaft. Das Wrestlingvideo mit dem hineinmontierten CNN-Logo transportiert, dem Zeitgeist entsprechend, in aller Kürze einen Sachverhalt: Das Niederringen des Medienkonzerns durch den POTUS. Wie auch sonst könnte man die jüngste Kontroverse um „Fake News“ bezeichnen, wenn nicht als einen Sieg Donald Trumps, der sich in der Entlassung von drei CNN-Mitarbeitern äußerte, nachdem diese nachweislich falsche Meldungen über Trumps Russland-Connection verbreiteten? Trump ist alles andere als reaktionär; in seiner Art ist er geradezu erfrischend rebellisch und durch solche Twitterperlen dem Volk näher, als es Hillary Clinton und Konsorten je sein könnten.