Die politische Welt scheint in der westlichen Hemisphäre Kopf zu stehen. Die Wählerschaft alter Volksparteien Europas ist für diese nicht mehr zu halten, wie Sand verrinnen diese zwischen den Fingern eines immer fester zupackenderen Griffs.

In Deutschland sind rechtskonservative wie liberale Kräfte auf dem Vormarsch, in Österreich bilden diese bereits eine schwarz-türkise Koalition. Die europäische Sozialdemokratie hat jegliche integrative Kraft verloren und droht auf dem Müllhaufen der Geschichte zu landen, dort, wo der ehemalige Ostblock bereits sehnsüchtig auf ihre Brüder im Geiste wartet.

Die sozialdemokratisierte Union unter Merkels Führung, die SPD und alle links der Mitte stehenden Parteien drohen mittelfristig weiter massiv an Wählerschaft einzubüßen, so, wie es bereits im europäischen Ausland der Fall ist. Wir in Deutschland brauchen für politische Prozesse gewöhnlich länger. Politiker der Volksparteien gelten als abgehoben, realitätsfremd und in ihrer eigenen Blase lebend, vornehmlich in einem Dienstwagen der Luxusklasse. Ähnliches gilt für die vierte Gewalt im Staate, für die Medien. Die kosmopolitische Einstellung eines Großteils der Journalisten, ihr Geltungsdrang mit ihrem Einfluss etwas Gutes in der Welt zu tun, und die von Emotionen gestalteten Vorschläge, treiben die Parteien mit einem ähnlich gut situierten Wählerkern vor sich her.

Der Glaube des Guten

Der Wohlstandsgewinn der letzten Jahrzehnte hat aufgrund seiner Persistenz die Erinnerung an „schlechte Tage“ vollkommen ausgelöscht. Die Eliten des Landes haben unter monetären Gesichtspunkten alles erreicht – jetzt heißt es sich der Weltenrettung zu verschreiben. Wir Deutsche hätten ja alles was wir brauchen und das bis in alle Ewigkeit. Wieso sollte sich an diesem historisch einmaligen Zustand der Sättigung auch was ändern? Ein ganzes Menschenleben lang herrscht nun das Paradies in unseren Breitengraden. Und deshalb müssen die „Unterprivilegierten“ auch mal dran sein, der Mensch braucht schließlich Ziele, auch wenn diese weniger nach „Auto, Haus, Boot“, sondern mehr nach „Herz, Liebe, Solidarität“ klingen.

Die osteuropäischen und dunkeldeutschen Quertreiber

Einzig die Realität mag wie immer nicht mitspielen, ein Problem, mit dem sich schon die Sowjets haben rumschlagen müssen. Dem Paradies auf Erden stellen sich nämlich immer mehr entgegen, allen voran diejenigen, die erlebt haben, dass Wohlstand und Freiheit keine Selbstläufer sind, sondern erkämpft werden und im Fall der Fälle auch aufs Neue verteidigt werden müssen. Im immerwährenden Kampf zwischen den Nationen um knappe Ressourcen, Technologien und damit auch Wohlstand, dürfe nichts verschenkt werden. Ebenso, wie man die Grundsäulen der effizientesten und bisher beste Staats- und Gesellschaftsordnung, die des demokratischen Kapitalismus, nicht verraten dürfe, sofern man daran interessiert ist bestehenden Wohlstand zu konservieren und gegebenenfalls auch zu steigern. Unerheblich, ob man die blindlings durchgeführte  Energiewende, offene Grenzen, oder die Gleichmacherei der Geschlechter und der Leistungsfähigeren, wie weniger Leistungsfähigeren, betrachtet. Die Vernunft wird aller Ratio zum Trotze einer abstrakten, postmaterialistischen Ideologie geopfert.

Der ewige Kreislauf

Immer mehr Menschen in Europa realisieren, dass wir längst auf Irrwegen wandeln, dass der freie Diskurs untergraben wird, dass ein für uns günstiger Konsens von vielen nicht gewünscht ist, alles, um dem politisch Korrekten Genüge zu tun. Die politisch korrekten Postmaterialisten vergessen jedoch, dass der Wohlstand, von dem sie zehren und welchen sie umverteilen, endlich ist. Aber vielleicht muss es so sein, vielleicht müssen wir erst schmerzlich erfahren, was es bedeutet, Selbstverständliches zu verspielen und neu aufbauen zu müssen.

Hard Times create Good Men.

Good Men create Good Times.

Good Times create Bad Men.

Bad Men create Hard Times.