AfD eine Polizei- und Bundeswehrpartei? – Die Parteienbindung der Staatsdiener

Wer sich für die Parteienlandschaft Deutschlands interessiert und sich die Zusammensetzung der Mitglieder, Wählerklientel inklusive, ansieht, stellt fest, dass trotz all der Individualisierung, die die Gesellschaft seit Jahrzehnten verstärkt splittern lässt, bestimmte Bindungen, zwischen bestimmten gesellschaftlichen Gruppen und Parteien, existieren.

Während etablierte Parteien schon zu genüge analysiert worden sind, soll hier auf Auffälligkeiten innerhalb der AfD, allen voran der, zumindest auf den ersten Blick wahrgenommene, hohe Anteil an Polizisten und Soldaten erklärt werden. Als prominente Fallbeispiele sollen Pazderski, Jung oder Rottmann, letzterer vom Militärischen Abschirmdienst (MAD), dienen, die schon des Öfteren im medialen Rampenlicht stehen durften. Was könnten die Beweggründe gewesen sein? Die AfD gilt spätestens seit der Erwähnung des Schießbefehls als empathielose, gar menschenverachtende Partei, deren Mitglieder und Wähler als egoistisch, ängstlich und nationalistisch verschrien sind, also dem linksliberalen Zeitgeist diametral entgegenstehen.

Der Überlebenskampf als Paradigma

Der gewichtigste Unterschied zwischen Linksliberalen und ihren politischen Opponenten liegt in ihrer Wahrnehmung der Randbindungen des menschlichen Mit-bzw. „Zwischen“-einanders. Erstere haben eine positive, letztere eine negative Wahrnehmung. Die Adjektive der voranstehenden Polung einer Gruppe sind hier jedoch mitnichten als Wertung zu verstehen. Im Laufe der Jahrzehnte wurden Teile der Bevölkerung auf eine Art und Weise sozialisiert, die sich am besten als tendenziell antiautoritär, pazifistisch und humanistisch beschreiben ließe. Andere wiederum sind tendenziell autoritärer, sehen Gewalt zur Problemlösung zumindest als Ultima Ratio und denken im Bezug auf Fremdstaaten- und Völker real-/machtpolitisch. Die AfD gehört definitiv zu denjenigen, auf die letztgenannte Merkmale zutreffen. Sie sehen Deutschland als Staat in einem Überlebenskampf, der seit jeher besteht und vor keinem Halt macht. Sie betrachten die Geschichte nicht als lineare Entwicklung hin zum Paradies an, sondern als immerwährenden Kampf der Bestandswahrung, bei dem jeder nur an sich denken sollte, da die Möglichkeit, dass andere Gruppen und Staaten eigennützig denken und handeln, einem geradezu aufzwingt, ebenso zu wirken, da man ansonsten ins Hintertreffen geriete. Für Empathie gibt es in dieser Logik keinen Platz. Der andere Teil der Gesellschaft hält diesen Überlebenskampf für veraltet und nicht notwendig. Der Mensch sei kein Tier und müsse sich weiterentwickeln und altruistisch handeln, den Schwachen helfen, egal woher diese stammen mögen, um das nächste Entwicklungslevel wahrlich sein Eigen nennen zu können. Diese Denke entspringt unübersehbar aus dem seit Jahrzehnte währenden Wohlstand, der solch postmaterialistischen Ansichten erst überlebensfähig machte, in einer an sich nach alten Maßstäben gesättigten Gesellschaft.

Eigener Erfolg ist die oberste politische Maxime

Und hier kommt das Bindeglied zwischen Exekutive und konservativen Parteien. Entscheidend ist nicht zwingend was gedacht wird, sondern woraus dieses Denken resultiert und wie man gedenkt diese Ziele zu erreichen. Die Bindung zwischen konservativen Parteien und der Exekutive geht weiter über die Gemeinsamkeit des bloßen Patriotismus hinaus. Polizisten und Soldaten erleben tagtäglich Realitäten, die den Einsatz von Gewalt erzwingen. Sie entscheiden über Menschenleben und müssen diese auch nehmen, wenn es dem Schutz von Leib und Leben anderer dienlich ist. Der Spielraum für humanistisch angehauchten Idealismus ist gering, wenngleich dieser natürlich auch vorhanden sein kann, aber im Vergleich, bei anderen Berufs- und Bevölkerungsgruppen, hinten anstehen muss. Um zu überleben muss man eigennützig denken können. Die Realität der Exekutive schafft gewissermaßen ein Mindset, welches mit denen konservativen, auf Machtpolitik besinnenden Parteien, Überschneidungen aufweist.

Die Gründe, weshalb Menschen eher zu einer oder zur anderen Gruppe neigen, lässt sich meiner Meinung nach nicht genau sagen. Ist es eine bewusste, nach eigenen Maßstäben logische Entscheidung? Ist diese Entscheidung, die jeder im Laufe seines Lebens direkt oder indirekt trifft, als Konsequenz der eigenen Lebenswirklichkeit zu sehen? Oder durch Beeinflussung bestimmter Gruppen? Bevor hier jemand aufschreit und das Bildungssystem verteufelt: Ja, ein Großteil der Lehrer ist politisch links der Mitte zu verorten. Nichtsdestotrotz wachsen Konservative heran, oder wenn schon das nicht der Fall ist, entscheiden sich viele direkt nach einer durch diese Lehrer stattgefundenen Sozialisation für „Law & Order“-Berufe. Wieso geht ein Teil der gleich sozialisierten Jugendlichen zur Antifa, der andere aber in die Exekutive des Staates?

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